Generalfeldmarschall
WALTER MODEL
geboren: 24.01.1891 in Genthin/Sachsen
gestorben: 21.04.1945 bei Düsseldorf/Westfront
| Ritterkreuz |
|
09.07.1941 |
| Eichenlaub |
(074) |
17.02.1942 |
| Schwerter |
(028) |
02.04.1943 |
| Brillanten |
(017) |
17.08.1944 |
Hohenzollernorden mit Schwertern
Bayrisches Militärverdienstkreuz 4. Klasse
Österreichisches Militärverdienstkreuz 3. Klasse
Türkischer Roter-Halbmond-Orden
Panzerkampfabzeichen in Silber
Viermalige Nennung im Wehrmachtsbericht
Verwundetenabzeichen in Gold
|
 |
____________________________________________________________________________________________________________________________________________
"Mit 53 Jahren Generalfeldmarschall!"
Der Name Model wurde während des Zweiten Weltkrieges zum Inbegriff
für erfolgreiche Defensivstrategie und ausgezeichnete Generalstabsarbeit.
Oft als "Rettungsanker der Ostfront" bezeichnet, wird
Generalfeldmarschall Model in einem Zug mit von Manstein, Rommel
und von Rundstedt als einer der besten deutschen Strategen genannt.
Ferner wird er als Meister in der Kunst, die Truppe noch persönlich
zu führen, bezeichnet.
Der junge Walter Model Sohn eines Lehrers - absolvierte
seine Schulzeit in Naumburg a.d. Saale, wo er kurioser Weise mit
einem anderen späteren Kriegshelden der Wehrmacht zusammen
die Schulbank drückte - einer seiner Klassenkameraden war der
junge Hans Hube, 1944 Generaloberst und Träger der Brillanten
zum Ritterkreuz!
Model wurde nach Absolvierung der Offiziersschule 1910 zum Leutnant
ernannt und bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges zum Kampfeinsatz
herangezogen. Als Kompaniekommandeur im Infanterieregiment 52 "von
Alvensleben" erwarb er sich bereits 1914/15 beide Klassen des
Eisernen Kreuzes, ehe er 1916 zum Generalstabsoffizier ausgebildet
wurde. An der Spitze einer Sturmkompanie der 10. Infanteriebrigade
erhielt der Hauptmann in den Grabenschlachten im Westen 1917 den
seltenen Hohenzollernorden mit Schwertern sowie das silberne Verwundetenabzeichen.
Unmittelbar vor Kriegsende wurde Model 2. Stabsoffizier der 36.
Reservedivision, wobei er bereits damals von seinem Kommandeur als
"sehr eigeninitiativ und äußerst energisch"
beurteilt wurde.
Im Zuge der Heeresverminderung 1919/20 wurde Hauptmann Model in
die nur kleine Reichswehr übernommen, wo er 1929 zum Major
und 1934 zum Oberst aufstieg. In den Zwanzigerjahren hatte er unter
Generalleutnant Fritz von Loßberg gedient, einem Truppenführer,
der sich während der Grabenschlachten im Westen den Beinamen
"Abwehrbulle" verdient hatte. Seine Person und seine damals
neuen Defensivtaktiken machten großen Eindruck auf Model.
1935 wurde Oberst Model zum Chef des Technischen Amtes im Oberkommando
des Heeres ernannt und in Folge zum Generalmajor befördert,
einer seiner damaligen Vorgesetzten war der spätere GFM Erich
von Manstein. Drei Jahre darauf übernahm Model den Stab des
IV. Armeekorps.
In dieser Dienststellung nahm Model 1939 am Blitzkrieg gegen Polen
teil, ehe er als Generalleutnant (01.04.40) den auszeichnenden Posten
des Stabschefs der 16. Armee (Busch) erhielt.
In dieser Position erlebte er die Besetzung von Luxemburg, die
Eroberung der aus dem 1. Weltkrieg gefürchteten Städte
Sedan und Verdun sowie die Kesselschlachten von Nancy und Epinal.
Bis zur französischen Kapitulation stießen Teile der
16. Armee bis an die schweizer Grenze vor!
Für seine Verdienste wurde Model im November 1940 an die Spitze
der kampferprobten 3. Panzerdivision - bekannt als die "Berliner
Bärendivision" - befohlen. Seine Feuertaufe als Divisionskommandeur
erhielt er im Juni 1941, als die Wehrmacht mit 145 Divisionen und
2.500 Panzern den Ostfeldzug begann.
Im Frontbereich der Heeresgruppe Mitte stieß Model im Verband
des XXIV. Panzerkorps aus dem Gebiet von Brest-Litowsk vor, nach
schweren Gefechten gegen Truppen der 3. und 4. sowjetischen Armee
gelang der Division auf breiter Front der Durchbruch.
Model führte seine Panzer innerhalb kürzester Zeit an
die Bahnlinie Rogatschew, in den nächsten Wochen folgten erfolgreiche
Gefechte im Gebiet von Baranovici und am Beresina-Fluss, wo Model
bereits am 9. Juli 1941 mit dem begehrten Ritterkreuz zum Eisernen
Kreuz dekoriert wurde.
In Folge kämpfte sein schlagkräftiger Verband an der
Orscha, bei Smolensk und vor Wjasma. Im September führte Model
seine Panzer nach Kiew - als seine Verbände östlich der
Großstadt auf die Spitzen der 16. Panzerdivision - kommandiert
vom bereits erwähnten Hans Hube - trafen, war der Grundstein
zur bisher größten Kesselschlacht der Kriegsgeschichte
gelegt. Im Oktober wurde Model als General der Panzertruppe (01.10.41)
bereits zum Kommandeur des XXXXI. Panzerkorps ernannt.
Im November 1941 nahm das Korps unter härtesten klimatischen
Bedingungen an der Schlacht um Moskau teil. Obwohl Model auch in
der Offensive erstaunliche Erfolge erzielte, lag sein wahres Geschick
im Aufbauen von Abwehrstellungen und durchdachten Rückzugsgefechten.
Eine von Models wenigen wirklichen "Schwächen" war
sein recht harter Umgang mit Untergebenen, insbesonders mit Angehörigen
seines Stabes. Doch manchmal hatte er Recht damit - so als ihn sein
Stabschef während der Winterschlacht einmal bat, einen bevorstehenden
Angriff wegen eines Schneesturms zu verschieben. Model entgegnete
scharf: "Warum verschieben?, morgen und übermorgen wird
es auch nicht wärmer und der Russe marschiert ja auch."
Weiters wird der spätere Generalfeldmarschall von einigen
namhaften Militärhistorikern als überzeugter Hitleranhänger
bezeichnet. Unwiderlegbar war Models Erklärung, in der er auf
das Attentat vom 20. Juli 1944 hin seine Treue zu Hitler versicherte,
die erste, die von einem Truppenführer der Ostfront in Berlin
eintraf.
Bereits im Jänner 1942 wurde er schließlich zum Befehlshaber
der 9. Armee ernannt, die ebenfalls im Mittelabschnitt der Ostfront
lag! Bereits kurz nach Übernahme des neuen Kommandos konnte
er sein defensives Geschick unter Beweis stellen. Models damaliger
Stabschef war Generalmajor Hans Krebs, der ihm später zur Heeresgruppe
Mitte folgen sollte, 1944 sein Ia an der Westfront war und 1945
letzter Generalstabschef des Heeres wurde!
Von überlegenen russischen Gardearmeen bedrängt und nach
harten Gefechten bereits an beiden Flanken überflügelt,
gelangen Model wiederholt brillante taktische Manöver.
In vier verlustreichen Abwehrschlachten bei Rshew schlugen seine
Truppen alle russischen Angriffe zurück und hielten die Stellung,
u.a. wurden in Gegenoffensiven Teile der 29. und 39. sowjetischen
Armee zerschlagen!
Für die Stabilisierung der Front erhielt Model am 1. Februar
die Beförderung zum Generaloberst (dritte hohe Beförderung
seit Kriegsbeginn!) und kurz darauf das erst 74. Eichenlaub zum
Ritterkreuz.
Einige Wochen später, am 23. Mai 1942, überflog Model
in einer Aufklärungsmaschine ein frontnahes Waldgebiet, als
ihm eine russische Scharfschützenkugel die linke Lunge zerriss!
Eine sofortige Notoperation in einem nahen Feldlazarett rettete
ihm das Leben. Diese Verwundung brachte Model nach jenen des Ersten
Weltkrieges das unter Stabsoffizieren seltene Verwundetenabzeichen
in Gold ein.
Seine wohl berühmteste taktische Operation wurde die als "Büffelbewegung"
bekannt gewordene Absetzbewegung aus Rshew. Nach großen Erfolgen
der Roten Armee war die 9. Armee im Frühjahr 1943 von der Einschließung
bedroht. Trotz schwerer Angriffe der russischen Kalin- und West-Front
konnten nach Models Plan innerhalb von 15 Tagen der vorgeschobene
Frontbogen um Rshew und Wjasma geräumt, sämtliche Truppen
und das gesamte Material(!) abgezogen und der Gefahr einer Einkesselung
zuvorgekommen werden. Unter Einsparung von 21 Divisionen wurde die
HKL so um 230 Kilometer verkürzt! Model wurde im taktischen
Bereich immer mehr zum Begriff, er galt als absolut krisenfest und
fast unbegrenzt belastbar. Im April 1943 erhielt der bereits als
"Feuerwehr der Ostfront" bekannte Generaloberst als 28.
Soldat der Wehrmacht und 7. Offizier des Heeres die Schwerter zum
Ritterkreuz mit Eichenlaub verliehen.
Der Wehrmachtsbericht meldete zur "Büffelbewegung":
"Die Stadt Rshew wurde im Zuge der planmäßigen Rückverlegung
zur Verstärkung der Front geräumt. Nachhuten, welche die
Stadt noch besetzt hielten, lösten sich nach Sprengung der
Wolgabrücken nachts unbemerkt vom Feind."
Im Juli 1943 kommandierte Model den nördlichen Angriffskeil
der Sommeroffensive (Unternehmen "Zitadelle") und befehligte
hierbei fünf Armeekorps - zusammen 14 Infanterie- und 4 starke
Panzerdivisionen!
Obwohl die Wehrmacht mit insgesamt über 2.000 Panzern, 34
Divisionen und 1.800 Flugzeugen zum Angriff antrat, endete die ergeizige
Operation in einem Desaster. Durch Spionage- und Aufklärungstätigkeit
bereits vorzeitig informiert, hatten die Sowjets tiefgestaffelte
Stellungssysteme angelegt und diese mit kampferfahrenen Verbänden
besetzt. So hatte das Oberkommando der Roten Armee um Kursk 20 Prozent
aller verfügbaren Frontdivisionen, 35 Prozent der gesamte Panzerwaffe
und 27 Prozent aller Flugzeuge versammelt!!
Nach hohen Verlusten und tagelangen Grabenkämpfen erlosch
die Wucht des deutschen Angriffes, nachdem lediglich 15 Kilometer
freigekämpft worden waren.
Von überlegenen Truppen zweier sowjetischer Heeresgruppen
attackiert, bewies Model mit seiner 9. Armee jedoch erneut sein
Talent als Meister der Verteidigung.
Ende Jänner 1944 zum Oberbefehlshaber der Heeresgruppe Nord
ernannt, organisierte Model den immer wieder brüchig werdenden
Widerstand in den baltischen Ländern. Sich kämpfend zurückziehend,
konnten Models Truppen mehrmals russische Offensiven abfangen und
die Frontlinie aufrecht erhalten.
Aufgrund seines hervorragenden Rufes als Defensivstratege wurde
Model am 31.03.44 an die Spitze der bedrängten Heeresgruppe
Nordukraine bestellt. Am 1. März erfolgte im Alter von nur
53 Jahren - nach erst fünf Jahren im Generalsrang - die Beförderung
zum Generalfeldmarschall!
Als im Juni 1944 die starke HGR Mitte unter einer völlig überraschenden
Großoffensive mehrerer russischer Armeen völlig zusammenbrach,
erhielt Model den Auftrag, zu retten was zu retten war. Mit 146
Schützen- und 43 Panzerdivisionen(!) den sich panikartig zurückziehenden
deutschen Truppen um ein vielfaches überlegen, riss die Rote
Armee immer wieder die Frontlinie der Heeresgruppe Mitte auf. Als
schließlich die gesamte Hauptkampflinie überrannt wurde,
brach jeder Versuch eines geordneten deutschen Rückzuges zusammen.
Der Weg nach Ostpreußen war für die Sowjets praktisch
frei! Wie viele andere Veteranen des Ersten Weltkrieges sah sich
sicherlich auch Model an den 8. August 1918 erinnert, welcher nach
dem völligen Zusammenbruch der damaligen Westfront als "Schwarzer
Tag des deutschen Heeres" in die Geschichte eingegangen war.
Doch GFM Model begann voller Energie mit den Abwehrmaßnahmen.
Er ließ im Hinterland Alarmeinheiten zusammenkratzen, organisierte
den Bau erster Abwehrstellungen, verwandelte die Flucht seiner geschlagenen
Truppen wieder in einen kämpfenden Rückzug und beschaffte
den dringend benötigten Nachschub! Durch ununterbrochenen persönlichen
Einsatz und hervorragende Stabsarbeit konnte er so bis Anfang August
1944 entlang der ostpreußischen Grenze eine Abwehrfront aufbauen,
welche die russische Dampfwalze schließlich stoppte! Für
diese militärisch erstklassige Leistung erhielt Walter Model
am 17.08.44 als 17. Soldat der Wehrmacht die Brillanten zum Ritterkreuz
mit Eichenlaub und Schwertern verliehen.
Besonders erwähnenswert ist folgende Begebenheit aus diesen
Tagen, die besser als alles andere Models unerschütterliches
Selbstvertrauen widerspiegelt. Als er den Oberbefehl über die
Heeresgruppe übernahm und erstmals den Befehlsstand seines
Stabes betrat, fragte sein Ia Generalleutnant Krebs, welche Verstärkung
er denn für die zusammengebrochene Front mitbrächte -
Model antwortete selbstsicher: "Mich."
Obwohl der Feldmarschall ein sogenannter "Ostexperte"
war, wurde er noch im August 1944 an die Westfront versetzt, wo
die Amerikaner und Engländer seit ihrer Invasion in der Normandie
große Teile Westfrankreichs befreit hatten und sich nun auf
dem Vormarsch Richtung Belgien befanden.
Vom 18.08. bis 05.09.44 konnte Model sich als Ersatzmann für
GFM von Kluge als Oberbefehlshaber West auszeichnen, danach wurde
er jedoch trotz seiner Qualifikation durch GFM von Rundstedt abgelöst
und an die Spitze der Heeresgruppe B gestellt, welche zuvor von
Erwin Rommel befehligt worden war. Sein Stabschef war der verlässliche
Generalleutnant Hans Speidel[15]. Genau in Models Kommandoübernahme
fiel die sgn. Falaise-Krise, die fast zur Vernichtung der Heeresgruppe
geführt hätte.
In den nächsten Monaten zog Model in den Abwehrkämpfen
in Belgien, Holland (Arnheim) und Westdeutschland (Aachen) noch
einmal alle Register seines Könnens. Doch gegen die drückende
Materialübermacht der Westalliierten war auch ein Walter Model
machtlos.
Im Winter 1944/45 war Model Mitglied des Planungsstabes für
die Ardennenoffensive - nach Hoths Entsatzangriff für den Stalingrad-Kessel
1942 die erst zweite Winteroffensive des deutschen Heeres im Zweiten
Weltkrieg! Die seiner Heeresgruppe unterstellte 5. Panzer- (von
Manteuffel) und 6. SS-Panzerarmee (Dietrich) sowie die 7. und 15.
Armee wurden jedoch wieder zurückgeworfen.
Nachdem amerikanischen Panzern bei Remagen überraschend die
Überquerung des Rhein geglückt war, geriet Models geschwächte
Heeresgruppe im Frühjahr 1945 in arge Bedrängnis. Die
Leistung, seine Heeresgruppe trotz der alliierten Luftherrschaft
über den Rhein zurücknehmen zu können, wurde von
Hitler - und der Geschichte - kaum honoriert.
Im April wurden die Truppen der Heeresgruppe B (15. Armee, 5. Panzerarmee,
"Armeegruppe von Lüttwitz" und III. Flakkorps) zwischen
Rhein, Ruhr und Sieg von US-Truppen überflügelt und im
sogenannten Ruhrkessel zusammengedrängt! Die einzige Hoffnung
der Eingeschlossenen war ein Entsatzangriff der eilig aufgestellten
"Armeegruppe Wenck" - doch diese wurde unmittelbar vor
Angriffsbeginn nach Osten verlegt, um als Entsatz für den Berlin-Kessel
eingesetzt zu werden. Somit war das Ende der Heeresgruppe besiegelt
- ein Ausbruchsversuch nach Osten wurde vom Oberbefehlshaber West
GFM Kesselring sowie natürlich Hitler aber abgelehnt.
Als Model nach schweren Verlusten und ausbleibenden Erfolgen keinen
militärischen Ausweg mehr sah, bewies er seinen couragierten
Ruf und befahl die Feuereinstellung. Mit der HGR B hörten 19
Divisionen mit 325.000 Mann auf zu existieren, im Kessel befanden
sich die Schwerterträger Josef Harpe, Horst Niemack, Fritz
Bayerlein, Arthur Jüttner, Heinz-Georg Lemm, Karl Decker und
Heinrich von Lüttwitz.
Da der überzeugte Soldat Walter Model das Ende der Wehrmacht
nicht miterleben wollte, wählte er am 21. April 1945, nur zwei
Wochen vor der deutschen Gesamtkapitulation, den Freitod.
Walter Model war neben Erwin Rommel, Walter von Reichenau, Fedor
von Bock, Erwin von Witzleben und Hans-Günther von Kluge einer
jener GFM, die den Zweiten Weltkrieg nicht überlebten. Es war
jedoch der einzige, der gewissermaßen an der Front den Tod
fand.
Im Jahre 1955 wurden Models sterblichen Überreste exhumiert
und nach Vossenack überführt.
Sein Sohn Hansgeorg, 1944 Freiwilliger in der Elite-Division "Großdeutschland"
stieg in der Bundeswehr 1980 zum Brigadegeneral auf, befehligte
zuletzt die Panzergrenadierbrigade 7 und ging 1987 in den Ruhestand.
ZURÜCK |